Ja, man kann mit einem Raspberry Pi 3 Bitcoin minen. Technisch ist das absolut machbar. Finanziell? Eine Katastrophe. Sehen Sie dieses Projekt also nicht als Weg zum schnellen Reichtum, sondern als das, was es wirklich ist: ein geniales Lernprojekt für Technik-Begeisterte, um tief in die Welt von Blockchain und Mining einzutauchen.
Warum das Raspberry Pi 3 Mining ein spannendes Experiment ist, aber niemals rentabel wird

Bevor wir uns in die technischen Details stürzen, müssen wir mit den Erwartungen aufräumen. Die Vorstellung, mit einem kleinen Einplatinencomputer nennenswerte Mengen Bitcoin zu schürfen, ist ein Mythos. Das moderne Bitcoin-Netzwerk wird von extrem leistungsstarker Spezialhardware dominiert – den ASICs (Application-Specific Integrated Circuits). Diese Maschinen sind nur für eine einzige Aufgabe gebaut: kryptografische Rätsel mit einer Effizienz zu lösen, die die eines Raspberry Pi um Lichtjahre übertrifft.
Der wahre Gewinn: Wissen und praktische Erfahrung
Warum also der ganze Aufwand? Die Belohnung liegt nicht im Geldbeutel, sondern im Kopf. Wenn Sie Ihr eigenes kleines Mining-Rig zusammenbauen, erleben Sie den Proof-of-Work-Mechanismus hautnah. Sie verstehen, wie Transaktionen bestätigt, zu Blöcken zusammengefasst und die Kette gesichert wird. Mehr zu den Hintergründen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel darüber, was Mining eigentlich ist.
Dieser praktische Ansatz vermittelt unschätzbare Einblicke in:
- Netzwerk & Pools: Sie verbinden Ihr Gerät mit einem Mining-Pool und beobachten, wie es mit dem globalen Netzwerk interagiert.
- Hardware-Setup: Sie lernen, externe USB-Miner und Netzteile zu konfigurieren und bekommen ein Gefühl für das Wärmemanagement.
- Linux & Kommandozeile: Die Installation von Mining-Software wie CGMiner auf einem Linux-System schärft Ihre Fähigkeiten im Terminal ungemein.
Erwartungen vs. Realität beim Raspberry Pi 3 Mining
Diese Tabelle stellt die gängigen Mythen den Fakten gegenüber und zeigt auf einen Blick, warum dieses Projekt mehr lehrreich als lukrativ ist.
| Aspekt | Gängige Erwartung | Realistisches Ergebnis |
|---|---|---|
| Rentabilität | "Ich kann mir ein passives Einkommen aufbauen." | Die Stromkosten übersteigen die Einnahmen um ein Vielfaches. Es ist ein garantiertes Verlustgeschäft. |
| Hashrate | "Der Pi ist ein kleiner Computer, er wird schon etwas schaffen." | Einige wenige Kilohashes pro Sekunde (kH/s), während professionelle ASICs Terahashes (TH/s) liefern – eine Billion Mal mehr. |
| Wettbewerb | "Ich trete gegen andere Miner an." | Sie konkurrieren mit riesigen, globalen Mining-Farmen mit Tausenden von ASICs. Chancenlos. |
| Bitcoin-Gewinn | "Ich werde Bruchteile eines Bitcoins minen." | Die Erträge sind so gering, dass sie kaum messbar sind. Es würde buchstäblich Millionen Jahre dauern, einen ganzen Bitcoin zu minen. |
Am Ende ist die wichtigste Erkenntnis: Sie investieren Zeit und ein wenig Geld, um unbezahlbares Wissen zu erlangen, nicht um finanziell reich zu werden.
Die brutale Realität der Zahlen
Um das Ganze greifbar zu machen, sprechen wir über die Hashrate – die Geschwindigkeit, mit der Rechenoperationen durchgeführt werden. Ein Raspberry Pi 3 schafft unter optimalen Bedingungen nur ein paar Kilohashes pro Sekunde (kH/s). Moderne ASICs hingegen liefern Hunderte von Terahashes pro Sekunde (TH/s). Das ist, als würden Sie mit einem Tretroller gegen einen Formel-1-Wagen antreten.
Ein klares Fazit: Die Stromkosten für den Betrieb eines Raspberry Pi übersteigen die minimalen Mining-Erträge bei Weitem. Sie verlieren garantiert Geld, gewinnen aber unbezahlbares Wissen.
Selbst kleine Optimierungen, wie der Wechsel auf ein 64-Bit-Betriebssystem, steigern die Hashrate laut Erfahrungsberichten vielleicht von 5 auf 12 kH/s. Angesichts der Tatsache, dass die Stromkosten für das Mining eines einzigen Bitcoins in Deutschland durchschnittlich über 173.525 Euro betragen, wird die finanzielle Sinnlosigkeit schnell deutlich. Dieser Guide ist daher ganz bewusst als Anleitung für ein Experiment gedacht, nicht als Weg zum Geldverdienen.
Was Sie an Hardware für Ihr Mining-Experiment brauchen

Auch wenn dieses Projekt ganz klar ein Lernexperiment und kein Geldverdiener ist, steht und fällt der Erfolg mit der richtigen Hardware. Ein stabiles System ist entscheidend, um den Prozess wirklich zu verstehen.
Dabei übernimmt Ihr Raspberry Pi 3 eine ganz spezielle Rolle: Er ist nicht der Rechenknecht, sondern der clevere Manager für die eigentliche Mining-Hardware. Die CPU des Pi selbst ist für das Bitcoin-Mining viel zu schwach. Stattdessen steuert er externe USB-ASIC-Miner, kleine, aber hochspezialisierte Geräte, die für den SHA-256-Algorithmus von Bitcoin gebaut wurden.
Der heimliche Star des Setups: Der USB-ASIC-Miner
Der eigentliche Motor Ihres Mining-Rigs ist ein externer USB-ASIC-Stick. Ohne ihn würden Sie kaum eine messbare Hashrate erreichen. Er ist das Herzstück, das die komplexe Rechenarbeit erledigt.
Für den Einstieg hat sich der GekkoScience Compac F bewährt. Er bietet einen guten Kompromiss aus Preis, einfacher Handhabung und einer Hashrate, die hoch genug ist, um das Mining live zu erleben. Sie stecken ihn einfach per USB an den Pi, und die Mining-Software erkennt ihn als Recheneinheit. Der Pi teilt ihm dann die Aufgaben aus dem Mining-Pool zu und managt die Kommunikation.
Die Stromversorgung – oft unterschätzt, aber entscheidend
Hier scheitern die meisten Einsteiger: bei der Stromversorgung. Ein USB-ASIC-Miner zieht, vor allem unter Volllast, deutlich mehr Strom als der Pi allein. Ein einfaches Handy-Ladegerät reicht da bei Weitem nicht aus. Das Ergebnis sind ständige Systemabstürze und unerklärliche Fehler.
Ein hochwertiges Netzteil ist keine Option, sondern ein Muss. Es ist die Garantie für ein stabiles System, das auch über Stunden zuverlässig läuft, während der ASIC auf Hochtouren rechnet.
Sparen Sie hier nicht am falschen Ende und besorgen Sie sich ein offizielles Raspberry Pi 3 Netzteil oder ein vergleichbares Markenprodukt. Wichtig ist, dass es mindestens 2,5 Ampere bei 5 Volt liefert. Diese Power stellt sicher, dass sowohl der Pi als auch der hungrige USB-Miner jederzeit stabil versorgt werden.
Ihre Einkaufsliste für den Start
Damit Sie direkt loslegen können, habe ich hier alles zusammengefasst, was Sie für ein funktionierendes Setup benötigen.
- Raspberry Pi 3 Model B+: Das Gehirn Ihrer kleinen Mining-Operation.
- USB-ASIC-Miner: Der Muskel, der die Arbeit macht (z. B. der GekkoScience Compac F).
- Starkes Netzteil: Am besten das offizielle Pi-Netzteil mit mindestens 2,5 A, um die Stabilität zu garantieren.
- Gute microSD-Karte: Nehmen Sie eine mit mindestens 16 GB und einer Geschwindigkeitsklasse von A1 oder A2. Das sorgt für ein flüssiges System.
- Kühlkörper und/oder Lüfter: Ein absolutes Muss. Ohne Kühlung wird der Pi zu heiß und drosselt seine Leistung (Thermal Throttling).
- (Optional) Aktiver USB-Hub: Falls Sie Blut geleckt haben und mehrere ASICs anschließen wollen, brauchen Sie einen Hub mit eigener Stromversorgung. Die USB-Ports des Pi allein schaffen das nicht.
Diese sorgfältig zusammengestellte Hardware-Basis ist der Grundstein für Ihr erfolgreiches Raspberry Pi 3 Bitcoin Mining-Projekt. Wer sich für die „großen Jungs“ interessiert und einen Blick auf professionelle Rechenleistung werfen will, findet eine aktuelle Übersicht in unserem Artikel über Bitcoin Mining Hardware. Mit dieser Ausrüstung sind Sie nun bestens gerüstet für den nächsten Schritt: die Installation und Konfiguration der Software.
Software-Setup: So erwecken Sie Ihr Mining-Rig zum Leben
Jetzt wird es spannend: Die Hardware steht, nun bringen wir sie zum Laufen. In diesem Schritt geht es ans Eingemachte, denn hier tauchen Sie tief in die Kommandozeile ein, kompilieren Software von Grund auf und verbinden Ihr kleines Rig mit dem globalen Bitcoin-Netzwerk. Keine Sorge, ich führe Sie durch jeden einzelnen Schritt.
Das richtige Betriebssystem als Fundament
Alles beginnt mit dem Betriebssystem. Meine klare Empfehlung für dieses Projekt ist das Raspberry Pi OS Lite (64-Bit). Warum "Lite"? Ganz einfach: Es kommt ohne grafische Oberfläche. Das spart enorm viele Ressourcen, die wir lieber ins Mining stecken als in bunte Fenster. Der entscheidende Punkt ist aber die 64-Bit-Version. Sie kitzelt im Vergleich zur 32-Bit-Variante spürbar mehr Rechenleistung aus dem Raspberry Pi 3 heraus.
Gehen Sie auf die offizielle Raspberry Pi-Website und laden Sie den „Raspberry Pi Imager“ herunter. Dieses kleine Tool ist Gold wert und macht die Installation zum Kinderspiel.
Der Raspberry Pi Imager steht für alle gängigen Betriebssysteme zur Verfügung und vereinfacht die OS-Installation enorm.
Im Imager wählen Sie einfach Ihren Raspberry Pi 3, das empfohlene Lite-Betriebssystem und Ihre microSD-Karte aus. Den Rest erledigt das Tool – es lädt das Image herunter und schreibt es direkt auf die Karte.
CGMiner: Der Motor für Ihre ASICs
Um die USB-ASICs anzusteuern, gibt es eine Software, die sich über Jahre bewährt hat: CGMiner. Es ist ein reines Kommandozeilen-Programm – extrem mächtig und flexibel, aber eben auch kein Tool, das man mal eben schnell installiert.
CGMiner wird nicht einfach heruntergeladen, sondern direkt auf dem Pi kompiliert. Das klingt komplizierter, als es ist, hat aber einen riesigen Vorteil: Die Software wird perfekt auf Ihre Hardware-Architektur zugeschnitten, was für maximale Performance sorgt.
Sobald Ihr Pi hochgefahren und mit dem Internet verbunden ist, öffnen Sie ein Terminal und arbeiten die folgenden Schritte ab:
- System auf Vordermann bringen: Zuerst sorgen wir dafür, dass alle Pakete auf dem neuesten Stand sind.
sudo apt update && sudo apt upgrade -y - Werkzeuge installieren: CGMiner braucht ein paar Hilfsprogramme (Abhängigkeiten), um überhaupt gebaut werden zu können.
sudo apt install build-essential git autoconf automake libtool pkg-config libcurl4-openssl-dev libudev-dev libusb-1.0-0-dev -y - Quellcode holen: Wir laden uns den Code direkt von GitHub herunter.
git clone https://github.com/kanoi/cgminer.git - Bauen und kompilieren: Jetzt wird es ernst. Wir wechseln ins Verzeichnis und starten den Bauprozess. Das kann ein paar Minuten dauern, also holen Sie sich ruhig einen Kaffee.
cd cgminer
./autogen.sh
./configure –enable-gekko
make
Wichtiger Hinweis: Der Befehl--enable-gekkoist entscheidend! Er sorgt dafür, dass die speziellen Treiber für die GekkoScience-Miner (wie unseren Compac F) mit einkompiliert werden. Ohne diesen Befehl wird Ihr ASIC später nicht erkannt.
Warum ein Mining-Pool unverzichtbar ist
Mit diesem Setup alleine einen Bitcoin-Block zu finden, ist statistisch gesehen unmöglich. Die Chance ist so gering, dass Sie wahrscheinlich Millionen von Jahren warten müssten. Deswegen schließen wir uns einem Mining-Pool an.
Stellen Sie sich einen Mining-Pool wie eine Lotto-Tippgemeinschaft vor. Alleine ist die Chance auf den Jackpot verschwindend gering. In der Gruppe gewinnt man vielleicht nur kleine Beträge, dafür aber regelmäßig.
Pools bündeln die Rechenleistung tausender Miner. Findet der Pool einen Block, wird die Belohnung (der "Block Reward") fair unter allen Teilnehmern aufgeteilt, je nachdem, wie viel Rechenleistung jeder beigesteuert hat.
Für die Verbindung brauchen Sie drei simple Informationen vom Pool Ihrer Wahl:
- Die Stratum-URL (z. B.
stratum+tcp://de.ckpool.org:3333) - Ihren Benutzernamen (meist Ihre Wallet-Adresse oder ein selbst gewählter Name)
- Ein Passwort (oft kann hier irgendetwas stehen, z. B.
x)
Showtime: CGMiner starten und loslegen
Alles bereit? Pool-Daten zur Hand? Dann stecken Sie Ihren USB-ASIC-Miner an den Raspberry Pi. Jetzt starten wir den Mining-Prozess mit einem einzigen Befehl im Terminal:
sudo ./cgminer -o POOL_URL -u BENUTZERNAME -p PASSWORT –gekko-compacf-freq 400
Ersetzen Sie natürlich die Platzhalter mit Ihren Daten. Der letzte Parameter, --gekko-compacf-freq 400, ist speziell für den GekkoScience Compac F. Damit stellen wir die Taktfrequenz des Chips ein. 400 MHz ist ein guter, stabiler Startwert.
Wenn alles klappt, füllt sich Ihr Terminal mit Live-Daten: Hashrate, akzeptierte "Shares" (A), die Ihre Arbeit für den Pool belegen, und hoffentlich ganz wenige abgelehnte Shares (R).
Typische Stolpersteine und wie man sie umgeht
Es läuft selten alles auf Anhieb perfekt. Das ist normal und Teil der Lernerfahrung. Hier sind die häufigsten Probleme und praxiserprobte Lösungen:
| Problem | Wahrscheinliche Ursache(n) | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| ASIC wird nicht erkannt | USB-Port liefert nicht genug Strom; Treiber fehlen. | Versuchen Sie es mit einem aktiven USB-Hub. Überprüfen Sie, ob Sie CGMiner wirklich mit der --enable-gekko Option kompiliert haben. |
| Viele HW-Fehler (Hardware Errors) | Taktfrequenz zu hoch; ASIC überhitzt. | Reduzieren Sie die Frequenz im Startbefehl (z.B. auf 350). Sorgen Sie für bessere Kühlung, z.B. durch einen kleinen USB-Ventilator. |
| Keine Verbindung zum Pool | Tippfehler in der URL oder im Port; Firewall blockiert die Verbindung. | Prüfen Sie die Pool-Daten dreifach. Ein ping auf die Pool-Adresse kann Verbindungsprobleme aufzeigen. |
Haben Sie Geduld. Jedes gelöste Problem schärft Ihr technisches Verständnis. Sobald Ihr kleines Rig stabil läuft, können wir uns im nächsten Schritt der Leistungsmessung und den Kosten widmen.
Die harten Fakten: Stromkosten und die (un)erreichbare Rentabilität
Jetzt mal Butter bei die Fische. Die ganze Technik ist aufgebaut, die Software läuft – aber was kommt am Ende dabei rum? Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt, oder verbrennt man hier wortwörtlich Geld? Die ehrliche Antwort haben wir ja schon angedeutet, aber jetzt schauen wir uns die nackten Zahlen an.
Unser Test-Setup besteht, wie besprochen, aus einem Raspberry Pi 3 und einem USB-ASIC-Miner, zum Beispiel dem GekkoScience Compac F. Wichtig ist: Wir müssen den Stromverbrauch beider Geräte zusammenrechnen. Der Pi ist zwar sparsam, aber der ASIC-Stick, der die eigentliche Rechenarbeit leistet, ist der entscheidende Faktor.
Was verbraucht das Setup und was leistet es?
Wenn der kleine Miner unter Volllast läuft, zieht das ganze Gespann ungefähr 10 bis 15 Watt aus der Steckdose. Das klingt erstmal nach nichts. Viele Fernseher im Standby-Modus verbrauchen mehr. Also, alles im grünen Bereich, oder?
Auf der Leistungsseite liefert ein GekkoScience Compac F eine Hashrate von etwa 300 Giga-Hashes pro Sekunde (GH/s). Das ist eine Zahl mit neun Nullen – beeindruckend! Im globalen Vergleich des Bitcoin-Netzwerks ist das aber leider nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Das gesamte Netzwerk rechnet mit mehreren hundert Exa-Hashes pro Sekunde (EH/s). Das ist eine Milliarde Mal schneller als unser kleines Gerät.
Die folgende Grafik zeigt noch einmal schön, wie die einzelnen Komponenten – Pi, Mining-Software und Mining-Pool – zusammenspielen.

Man sieht klar: Der Raspberry Pi agiert als Kommandozentrale, während CGMiner den ASIC-Stick steuert und ihn mit dem weltweiten Mining-Pool verbindet.
Die knallharte Beispielrechnung
Jetzt wird’s ernst. Nehmen wir einen durchschnittlichen deutschen Strompreis von 0,35 Euro pro Kilowattstunde (kWh) an und rechnen das mal durch.
- Verbrauch pro Tag: 12 Watt x 24 Stunden = 288 Wattstunden, also 0,288 kWh.
- Kosten pro Tag: 0,288 kWh x 0,35 €/kWh = ca. 0,10 €.
- Kosten pro Monat: 0,10 € x 30 Tage = runde 3,00 €.
Drei Euro im Monat? Das klingt doch eigentlich total überschaubar. Hier kommt aber der Haken: die Einnahmen. Bei einer Hashrate von 300 GH/s und der aktuellen Schwierigkeit im Netzwerk sind die täglichen Erträge so winzig, dass sie sich im Bereich von Cent-Bruchteilen bewegen. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet kommt wahrscheinlich nicht mal genug für einen Kaffee zusammen.
Die Realität ist ernüchternd: Die Stromkosten, so gering sie auch scheinen, übersteigen die potenziellen Einnahmen um ein astronomisches Vielfaches. Jede einzelne Sekunde, in der Ihr Raspberry Pi 3 Bitcoins schürft, ist ein finanzieller Verlust.
Warum das bei den Profis (manchmal) anders aussieht
Genau diese Zahlen zeigen, warum das Bitcoin-Mining in Deutschland ein so schwieriges Geschäft ist. Professionelle Miner arbeiten in einer völlig anderen Liga. Sie nutzen riesige Hallen voller hochspezialisierter, topmoderner ASICs, die tausendfach leistungsfähiger sind als unser USB-Stick. Der entscheidende Punkt ist aber der Strom: Sie bekommen Zugang zu extrem günstigen Industriestrompreisen, die mit unseren Haushaltskosten nicht vergleichbar sind.
Trotzdem ist es selbst für sie ein harter Kampf. Die Produktionskosten für einen einzigen Bitcoin können hierzulande schnell mal die 173.525 Euro übersteigen.
Für uns als Hobby-Bastler ist das Rennen von Anfang an gelaufen. Die Kombination aus hohen Privatkunden-Strompreisen und veralteter Hardware macht jede Hoffnung auf Gewinn zunichte. Das Projekt ist und bleibt ein geniales technisches Experiment mit einem riesigen Lerneffekt – aber es ist keine Geldanlage.
Falls Sie die wirtschaftlichen Hintergründe trotzdem faszinieren, finden Sie hier mehr Infos zu den Strategien zur Rentabilität im Bitcoin-Mining.
Sinnvolle Bitcoin-Projekte für deinen Raspberry Pi
Okay, wir haben also festgestellt, dass das Raspberry Pi 3 Bitcoin Mining finanziell in einer Sackgasse endet. Was also tun mit dem kleinen Kerl? Ihn in einer Schublade verstauben lassen? Auf keinen Fall! Anstatt Strom und Zeit zu verbrennen, kannst du den Pi für etwas einsetzen, das einen echten Mehrwert schafft – sowohl für das Bitcoin-Netzwerk als auch für dein eigenes Verständnis der Materie.
Die mit Abstand sinnvollste Alternative ist, eine eigene Bitcoin Full Node zu betreiben. Damit wechselst du von der passiven Konsumentenrolle zum aktiven, souveränen Teilnehmer des Netzwerks. Dein Raspberry Pi wird sozusagen zum Wächter, der die Einhaltung der Bitcoin-Regeln überwacht.
Werde zum aktiven Netzwerkwächter mit einer eigenen Bitcoin Node
Was ist eine Bitcoin Node? Im Grunde ist es nur ein Computer, auf dem die Software Bitcoin Core läuft und der eine komplette Kopie der gesamten Blockchain bereithält. Das hört sich nach einer Menge Daten an, aber ein moderner Pi packt das mit einer externen SSD ohne Probleme.
Die Kernaufgabe deiner Node ist es, Transaktionen und neue Blöcke völlig eigenständig zu überprüfen. Findet ein Miner einen neuen Block, checkt deine Node sofort, ob dieser den Konsensregeln entspricht. Nur wenn alles passt, wird der Block akzeptiert und im Netzwerk weiterverteilt.
Wenn du deine eigene Node betreibst, musst du nicht mehr blind den Servern von irgendwelchen Unternehmen vertrauen, um deine Transaktionen zu prüfen. Du fragst direkt die Blockchain ab. Ohne Mittelsmann. Genau das ist der Kern von Dezentralisierung.
Die Vorteile liegen auf der Hand und gehen weit über einen reinen Lerneffekt hinaus:
- Maximale Privatsphäre: Wenn du Transaktionen über deine eigene Node sendest, bleiben deine Wallet-Informationen bei dir und werden nicht an externe Dienstleister preisgegeben.
- Keine Zensur: Niemand kann dich daran hindern, eine Transaktion zu senden. Du bist nicht von der Node eines Unternehmens abhängig, sondern hast die direkte Kontrolle.
- Stärkung des Netzwerks: Jede einzelne zusätzliche Node macht Bitcoin als Ganzes robuster, dezentraler und widerstandsfähiger gegen Angriffe.
Projekte wie Umbrel, Citadel oder RaspiBlitz machen die Einrichtung heute kinderleicht. Dank intuitiver Oberflächen ist der ganze Prozess oft nicht komplizierter als die Installation einer App auf dem Smartphone.
Der nächste Schritt für Fortgeschrittene: die Lightning Node
Sobald du mit deiner Full Node vertraut bist, kannst du noch eine Stufe weitergehen und eine Lightning Node auf deinem Raspberry Pi einrichten. Das Lightning Network ist eine "Second-Layer"-Lösung, die auf Bitcoin aufsetzt und blitzschnelle Transaktionen für winzige Gebühren ermöglicht.
Deine Lightning Node wird Teil dieses Netzwerks. Du kannst Zahlungskanäle zu anderen Nutzern aufbauen und sogar kleine Gebühren verdienen, indem du Zahlungen für andere durch deine Kanäle weiterleitest (Routing). Das ist eine aktive Rolle, die nicht nur das Netzwerk unterstützt, sondern dir im Gegensatz zum Mining sogar eine realistische Chance auf kleine Einnahmen bietet.
Fakt ist: Ohne quasi kostenlosen Strom ist das Mining mit einem Raspberry Pi ein reines Verlustgeschäft. Selbst deutsche Enthusiasten, die es mit überschüssigem Solarstrom und einem leistungsstarken Antminer versucht haben, kamen gerade mal auf einen Ertrag von rund 0,00003 Bitcoin pro Tag. Ein Pi würde davon nur einen verschwindend geringen Bruchteil erreichen. Die Community ist sich einig: Es lohnt sich zu 0 % und ist bestenfalls ein Hobbyprojekt. Mehr zu diesem Thema findest du in einem spannenden Erfahrungsbericht über Bitcoin-Mining mit PV-Überschuss auf schiffler.eu.
Projekte wie eine Full Node oder eine Lightning Node bieten dir einen ungleich größeren Nutzen. Du investierst deine Zeit nicht in ein garantiertes Minusgeschäft, sondern wirst zu einem souveränen Akteur, der die Grundprinzipien von Bitcoin lebt und aktiv stärkt.
Die brennendsten Fragen zum Pi-Mining
Nachdem wir uns durch die Hardware, Software und die kalten, harten Zahlen gekämpft haben, schwirren meist noch ein paar konkrete Fragen im Raum. Hier bringe ich die häufigsten Unklarheiten rund um das Raspberry Pi 3 Bitcoin-Mining auf den Punkt.
Kann ich mit dem Raspberry Pi 3 auch solo minen?
Technisch ist das machbar, ja. Man könnte den CGMiner so einstellen, dass er sich direkt mit dem eigenen Bitcoin-Node verbindet, statt einen Pool zu nutzen. In der Praxis ist das aber komplett aussichtslos. Die Chance, dass dein winziges Setup mit seiner verschwindend geringen Hashrate jemals einen Block findet, ist statistisch gesehen praktisch null.
Du würdest Jahre, wenn nicht sogar Jahrtausende, ohne eine einzige Belohnung minen. Das Pool-Mining ist wirklich die einzige realistische Methode, um überhaupt einen messbaren Ertrag zu erzielen, so winzig er auch sein mag.
Lohnt es sich vielleicht, mit dem Pi Altcoins zu minen?
Das ist eine klassische Überlegung: Wenn Bitcoin zu schwierig ist, wie sieht es dann mit anderen Kryptowährungen aus? Leider ist die Antwort hier genauso ernüchternd.
Auch wenn einige Altcoins mal mit CPU- oder GPU-freundlicheren Algorithmen gestartet sind, hat sich der Markt längst professionalisiert. Spezialisierte Hardware und riesige Mining-Farmen geben auch hier den Ton an.
- Monero (XMR): War lange Zeit der Liebling für CPU-Miner. Selbst hier berichten Nutzer, dass sie nach tagelangem Mining auf einem Raspberry Pi keinerlei messbare Ergebnisse erzielen.
- Dogecoin (DOGE): Basiert auf dem Scrypt-Algorithmus, für den es ebenfalls längst eigene ASICs gibt. Gegen die ist der Pi völlig chancenlos.
Um es kurz zu machen: Nein. Die mickrige Rechenleistung des Raspberry Pi 3 reicht auch für die meisten etablierten Altcoins nicht annähernd aus, um auch nur die Stromkosten wieder reinzuholen. Der Lerneffekt ist super, der finanzielle Gewinn bleibt aus.
Welche Mining-Software ist die beste für den Pi?
Für das Mining mit USB-ASICs auf dem Raspberry Pi ist CGMiner immer noch das Maß der Dinge. Die Software ist erprobt, stabil, extrem flexibel einstellbar und unterstützt eine riesige Bandbreite an ASIC-Hardware – gerade die beliebten GekkoScience-Sticks laufen damit hervorragend.
Natürlich gibt es Alternativen wie BFGMiner, der ebenfalls sehr potent ist. Für Einsteiger, die unserer Anleitung hier folgen, ist CGMiner aber die am besten dokumentierte und am weitesten verbreitete Wahl. Der entscheidende Punkt ist, wie wir gezeigt haben, ihn mit den passenden Treibern für deine spezielle Hardware zu kompilieren.
Kann ich einfach mehrere USB-ASICs an einen Pi hängen?
Ja, das geht und ist oft der nächste logische Schritt für alle, die gerne experimentieren. Du wirst dabei aber sehr schnell an die Grenzen der Stromversorgung des Raspberry Pi stoßen. Die USB-Ports des Pi liefern einfach nicht genug Saft, um mehrere ASICs stabil zu betreiben.
Die Lösung ist ein aktiver USB-Hub. Der hat ein eigenes Netzteil und versorgt die angeschlossenen Geräte unabhängig vom Raspberry Pi mit Strom. Damit kannst du dann theoretisch eine ganze Reihe von ASICs betreiben und deine Gesamt-Hashrate steigern – auch wenn das Projekt dadurch natürlich nicht profitabler wird.
Bringt ein Raspberry Pi 4 oder 5 etwas für das Mining?
Ein neueres Modell wie der Raspberry Pi 4 oder 5 hat natürlich deutlich mehr CPU-Power. Das macht sich in der allgemeinen System-Performance und beim Management der Mining-Software positiv bemerkbar. Am Kernproblem ändert das aber rein gar nichts.
Die eigentliche Knochenarbeit, das Mining, erledigen ja die externen USB-ASICs. Die stärkere CPU des Pi hat also keinen direkten Einfluss auf deine Bitcoin-Hashrate. Der Flaschenhals bleibt der ASIC-Miner selbst. Ein Upgrade des Pi allein macht dein Setup also nicht profitabler, sorgt aber für ein flüssigeres und stabileres System.
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