Räumen wir gleich zu Beginn mit der wichtigsten Frage auf: Nein, Bitcoin-Mining mit einem Raspberry Pi ist finanziell absolut unrentabel. Stattdessen sollten Sie dieses Projekt als das sehen, was es wirklich ist – eine unglaublich wertvolle Lernerfahrung, die Ihnen einen tiefen Einblick in die Mechanik des Bitcoin-Netzwerks gibt. Es ist der perfekte, praxisnahe Einstieg, um die Technologie hinter der Währung wirklich zu begreifen.
Lohnt sich Bitcoin mining mit dem Raspberry Pi wirklich?

Wenn wir von „lohnen“ sprechen, müssen wir klar zwischen finanziellem Gewinn und Wissenszuwachs unterscheiden. Rein wirtschaftlich betrachtet, ist die Antwort ein klares und unmissverständliches Nein. Die Kluft zwischen der Rechenleistung eines winzigen Raspberry Pi und der globalen Hashrate des Bitcoin-Netzwerks ist schlichtweg astronomisch.
Ein blick auf die nackten zahlen
Um das Ganze mal in Perspektive zu rücken: Ein Raspberry Pi 3 schafft beim reinen CPU-Mining eine Hashrate von gerade mal 5 bis 12 Kilohashes pro Sekunde (KH/s). Bei deutschen Strompreisen von rund 0,30 € pro Kilowattstunde kommen da im Jahr schnell mal Betriebskosten von etwa 39,30 € zusammen.
Dem gegenüber steht die globale Netzwerk-Hashrate von aktuell über 600 Exahashes pro Sekunde (EH/s) – das ist eine 6 mit 20 Nullen! Ihre Chance, mit einem Pi alleine auch nur einen einzigen Block zu finden, tendiert statistisch gegen null. Sie treten hier gegen riesige, professionelle Mining-Farmen an, die spezialisierte Hardware im Wert von Millionen von Euro betreiben.
Der wahre Wert dieses Projekts liegt nicht in den Satoshis, die Sie vielleicht minen, sondern im Verständnis, das Sie dabei gewinnen. Es ist die praktischste und greifbarste Methode, die Theorie hinter Bitcoin Realität werden zu lassen.
Der unschätzbare lerneffekt
Trotz der fehlenden Profitabilität ist die Faszination für das „Mining mit dem Pi“ ungebrochen. Warum? Weil es der ideale Weg ist, die fundamentalen Konzepte von Bitcoin hautnah zu erleben. Anstatt nur darüber zu lesen, bauen Sie selbst ein System auf und werden für einen Moment Teil des Netzwerks.
Durch dieses Projekt lernen Sie:
- Dezentralisierung: Sie betreiben einen eigenen kleinen Knotenpunkt und tragen – wenn auch nur symbolisch – zur Stärke des Netzwerks bei.
- Transaktionsverarbeitung: Sie sehen live, wie Transaktionen validiert und zu Blöcken zusammengefügt werden.
- Netzwerksicherheit: Sie verstehen, warum die enorme Rechenleistung das Netzwerk so unheimlich sicher macht.
- Hardware und Software: Sie sammeln praktische Erfahrung mit Linux, der Kommandozeile und der Konfiguration von Mining-Software.
Dieses Wissen ist die eigentliche Rendite. Es verwandelt Bitcoin von einem abstrakten Investment in eine greifbare Technologie. Wer die Grundlagen des Minings versteht, kann auch viel fundiertere Entscheidungen über Strategien zur Rentabilität im Bitcoin-Mining treffen, sollte er sich später für ein größeres Setup entscheiden.
Mögliche mining-szenarien mit dem raspberry pi im vergleich
Um die verschiedenen Ansätze besser einordnen zu können, hilft ein direkter Vergleich. Die Tabelle zeigt, worauf Sie sich bei den unterschiedlichen Setups einstellen müssen.
| Szenario | Benötigte Hardware | Erreichbare Hashrate | Geschätzte Jahreskosten (Strom) | Primärer Zweck |
|---|---|---|---|---|
| Pi als reiner Bitcoin-Node | Raspberry Pi 4 (4 GB+), 1 TB SSD | 0 H/s (kein Mining) | ca. 10–15 € | Netzwerk unterstützen, Transaktionen validieren |
| Pi + günstiger USB-ASIC | Raspberry Pi 4, GekkoScience Compac F | 0,3-1,6 TH/s | ca. 25–90 € | Grundlagen des ASIC-Minings lernen |
| Pi als Mining-Controller | Raspberry Pi 4 | Abhängig vom Rig | Hoch | Steuerung professioneller Mining-Rigs |
Wie Sie sehen, verschiebt sich der Fokus je nach Setup stark. Während der reine Node-Betrieb vor allem dem Netzwerk dient, können Sie mit einem kleinen USB-ASIC zumindest die technischen Abläufe des echten Minings spielerisch nachvollziehen – ohne dabei arm zu werden.
So, genug der Theorie – jetzt wird's praktisch. Vergessen wir mal die trockenen Zahlenspiele und schauen uns an, was man mit einem Raspberry Pi im Bitcoin-Universum wirklich anstellen kann. Ich stelle Ihnen drei konkrete Setups vor, die ich in der Praxis erprobt habe. Jedes hat seinen eigenen Reiz, einen anderen Schwierigkeitsgrad und natürlich einen ganz anderen Nutzen. So finden Sie garantiert den richtigen Einstieg, der zu Ihren Ambitionen passt.
Schauen wir uns jede Variante mal ganz genau an: Was braucht man dafür? Wie knifflig ist die Umsetzung? Und was springt am Ende dabei raus?
Variante 1: Der reine Bitcoin-Node
Das erste Setup ist das uneigennützigste, aber für das Bitcoin-Netzwerk vielleicht das wertvollste: eine eigene Full Node zu betreiben. Hier geht es nicht ums Mining, und Sie werden damit auch keinen einzigen Satoshi verdienen. Stattdessen investieren Sie ein paar Euro Stromkosten pro Jahr, um das Netzwerk aktiv zu stärken.
Eine Full Node lädt die komplette Bitcoin-Blockchain herunter, prüft jede einzelne Transaktion und jeden Block anhand der festgeschriebenen Regeln und gibt diese Informationen an andere Teilnehmer weiter. Sie werden damit zu Ihrer eigenen Bank, die niemandem vertrauen muss, um Transaktionen zu validieren. Das ist ein fundamentaler Beitrag zur Dezentralisierung und Sicherheit von Bitcoin.
Eine eigene Node ist Ihre persönliche Souveränitätserklärung im Bitcoin-Netzwerk. Sie validieren Transaktionen selbst und tragen aktiv zur Stabilität des Systems bei, anstatt nur passiver Nutzer zu sein.
Was Sie für dieses Projekt brauchen:
- Hardware: Ein Raspberry Pi 4 (mindestens 4 GB RAM), ein gutes Gehäuse mit Kühlung, das offizielle Netzteil und eine externe SSD mit mindestens 1 TB Speicher.
- Schwierigkeitsgrad: Mittel. Es gibt fantastische Software-Pakete wie Umbrel oder RaspiBlitz, die die Installation extrem vereinfachen. Ein paar grundlegende Kenntnisse im Umgang mit dem Terminal sind aber definitiv von Vorteil.
- Nutzen: Sie bekommen ein tiefes Verständnis dafür, wie die Blockchain tickt, lernen, Transaktionen selbst zu verifizieren und leisten einen echten Beitrag zur Dezentralisierung.
Variante 2: Pi mit einem USB-ASIC-Miner
Das hier ist der Klassiker für alle Hobby-Miner und die wohl beliebteste Methode, um mit einem Raspberry Pi tatsächlich Hash-Leistung zu erzeugen. Der Pi dient dabei als winzige, stromsparende Kommandozentrale für einen externen, hochspezialisierten Mining-Chip – einen sogenannten ASIC (Application-Specific Integrated Circuit) –, der einfach per USB angeschlossen wird.
Mit diesem Setup können Sie den gesamten Mining-Prozess im Kleinen nachbauen. Von der Einrichtung der Hardware über die Konfiguration der Software bis hin zur Verbindung mit einem Mining-Pool ist alles dabei. Es ist die perfekte Spielwiese, um echte Erfahrungen zu sammeln, ohne gleich in laute, teure und stromfressende Geräte investieren zu müssen. Beliebte USB-Miner sind zum Beispiel die kleinen Sticks von GekkoScience. Wenn Sie tiefer in die Hardware-Welt eintauchen wollen, finden Sie in unserem Überblick die beste Bitcoin-Mining-Hardware detaillierte Vergleiche.
Ein konkretes Beispiel zeigt, was hier möglich ist: Ein winziger Raspberry Pi Zero 2W kann zusammen mit einem GekkoScience COMPAC F USB-Miner eine Hashrate von bis zu 500 GH/s erreichen – und das alles bei unter 5 Watt Stromverbrauch. Bei deutschen Strompreisen von 0,40 €/kWh sind das gerade mal 14 € Kosten im Jahr. Die Chance, damit solo einen Block zu finden, ist zwar astronomisch gering (etwa 1 zu 2 Milliarden pro Tag), aber es ist schon passiert! Auf dem ckpool wurden bereits Blöcke von genau solchen winzigen Minern gefunden, was die Faszination dieses Hobbys perfekt auf den Punkt bringt. Wer mehr über solche Abenteuer aus erster Hand lesen will, findet spannende Erfahrungsberichte zum Beispiel auf draeger-it.blog.
Variante 3: Pi als Steuerzentrale für ein ASIC-Rig
Für alle, die schon einen Schritt weiter sind oder direkt etwas größer einsteigen wollen, gibt es noch eine dritte, fortgeschrittene Variante. Hier nutzen wir den Raspberry Pi als hocheffizienten Controller für ein oder mehrere große, leistungsstarke ASIC-Mining-Geräte.
Moderne ASICs sind im Grunde nur auf eine Aufgabe spezialisierte Hochleistungsrechner, oft mit einer recht spartanischen Weboberfläche. Ein Raspberry Pi kann hier als zentrale Verwaltungsinstanz glänzen. Er läuft 24/7 bei minimalem Stromverbrauch und dirigiert die eigentlichen „Arbeitstiere“.
Hier ein kleiner Überblick, um die drei Wege direkt zu vergleichen:
| Eigenschaft | Node | Pi + USB-ASIC | Pi als Rig-Controller |
|---|---|---|---|
| Primäres Ziel | Netzwerk stärken | Mining-Prozess lernen | Effiziente Steuerung |
| Schwierigkeit | Mittel | Leicht bis mittel | Fortgeschritten |
| Kosten (Hardware) | Gering | Gering bis mittel | Hoch (durch das Rig) |
| Stromverbrauch | Sehr gering | Gering | Sehr hoch (durch das Rig) |
| Lernfokus | Blockchain-Grundlagen | Mining verstehen | Skalierung & Management |
Wenn Sie den Pi als Controller einsetzen, können Sie Dinge tun wie:
- Monitoring-Software wie Braiins OS+ oder CGMiner zentral laufen lassen.
- Automatisierte Skripte zur Überwachung von Temperatur und Leistung einrichten.
- Den Energieverbrauch Ihres gesamten Setups optimieren, weil der Pi selbst kaum ins Gewicht fällt.
Dieses Setup ist ideal für Leute, die bereits ASIC-Hardware haben oder anschaffen wollen und nach einer energieeffizienten, flexiblen und anpassbaren Lösung suchen, um ihren Betrieb zu steuern. Es kombiniert perfekt die Stärken des Pi – geringer Verbrauch und enorme Flexibilität – mit der rohen Hash-Leistung professioneller Mining-Geräte.
Ihr Raspberry Pi Mining-Setup Schritt für Schritt einrichten
Jetzt geht's ans Eingemachte. Hier nehmen wir Sie an die Hand und bauen gemeinsam Ihr kleines Mining-Setup auf. Wir konzentrieren uns dabei auf die gängigste und für Einsteiger sinnvollste Variante: den Raspberry Pi als Steuerzentrale für einen externen USB-ASIC-Miner. Aber keine Sorge, wir sparen uns den technischen Jargon und erklären jeden Schritt so, dass er auch wirklich nachvollziehbar ist.
Das Ziel ist ein lauffähiges System, mit dem Sie die Grundlagen des Minings live miterleben können. Von der Hardware-Auswahl bis zur fertigen Software-Konfiguration – folgen Sie einfach den nächsten Abschnitten.
Die richtige Hardware auswählen
Bevor wir uns in die Software stürzen, muss die Basis stimmen. Glauben Sie mir, eine falsche Wahl beim Netzteil oder eine zu lahme SD-Karte kann später zu stundenlanger Fehlersuche führen. Sparen Sie sich diesen Frust und starten Sie direkt mit den richtigen Komponenten.
Ihre Einkaufsliste sollte so aussehen:
- Raspberry Pi Modell: Ein Raspberry Pi 4 mit 2 GB RAM ist eine super Wahl. Er hat genug Leistungsreserven für alles, was wir vorhaben. Wenn es extrem stromsparend sein soll, tut es auch ein Raspberry Pi Zero 2 W, der braucht dann aber eventuell Adapter für die USB-Geräte.
- USB-ASIC-Miner: Die kleinen Sticks von GekkoScience, wie der COMPAC F oder der neuere Mars Lander, sind bewährte Modelle für den Einstieg. Sie liefern eine für ihre Größe ordentliche Hashrate und werden von der Community gut unterstützt.
- Netzteil: Ganz wichtig: Verwenden Sie unbedingt das offizielle Raspberry Pi Netzteil. Billige Handyladegeräte liefern oft keine stabile Spannung, was zu unerklärlichen Abstürzen führt. Das ist einer der häufigsten Fehler, die ich sehe.
- SD-Karte: Eine hochwertige microSD-Karte mit mindestens 16 GB Speicher und der Klassifizierung A2 ist entscheidend für die Geschwindigkeit. Langsamere Karten bremsen das ganze System aus.
Die folgende Grafik zeigt ganz schön, wie sich so ein Raspberry-Pi-Projekt entwickeln kann.

Man startet oft mit einem reinen Bitcoin-Node, experimentiert dann mit einem USB-Stick und landet vielleicht dabei, ein ganzes ASIC-Rig zu steuern – der Pi bleibt dabei immer das Herzstück.
Das Betriebssystem aufsetzen
Für unser Vorhaben ist ein schlankes Betriebssystem ohne grafische Oberfläche perfekt. So verschwenden wir keine wertvollen Ressourcen, die wir lieber ins Mining stecken.
Meine klare Empfehlung lautet: Raspberry Pi OS Lite (64-bit). Die 64-Bit-Version sorgt für spürbar bessere Performance, gerade bei den kryptografischen Berechnungen, die hier anfallen.
Laden Sie sich als Erstes den offiziellen „Raspberry Pi Imager“ von der Website herunter. Mit diesem Tool wird das Aufspielen des Betriebssystems auf die SD-Karte zum Kinderspiel.
Im Imager wählen Sie dann einfach Ihr Pi-Modell, unter „Raspberry Pi OS (other)“ die „Lite (64-bit)“-Version und Ihre SD-Karte aus.
Mein Tipp aus der Praxis: Bevor Sie auf „Schreiben“ klicken, werfen Sie einen Blick in die erweiterten Einstellungen (das kleine Zahnrad-Symbol). Hier können Sie direkt den Hostnamen festlegen, SSH aktivieren und Ihr WLAN einrichten. Das erspart später das Gefummel mit Monitor und Tastatur und Sie können direkt per Fernzugriff loslegen.
Ist der Schreibvorgang durch, werfen Sie die Karte aus, stecken sie in den Pi, schließen den USB-Miner an und geben ihm Saft. Der Pi startet jetzt zum ersten Mal.
Installation und Kompilierung der Mining-Software
Okay, der Pi läuft. Jetzt verbinden wir uns per SSH und installieren die nötige Software. SSH (Secure Shell) ist quasi die Fernbedienung für Ihren Pi über die Kommandozeile Ihres Computers.
Öffnen Sie ein Terminal (unter Windows die PowerShell) und tippen Sie ssh pi@hostname.local ein. Ersetzen Sie „hostname“ durch den Namen, den Sie eben vergeben haben. Das Standardpasswort lautet raspberry – das sollten Sie aus Sicherheitsgründen sofort ändern.
Als Allererstes bringen wir das System auf den neuesten Stand. Das ist immer eine gute Idee.
sudo apt update && sudo apt upgrade -y
Danach installieren wir ein paar Pakete, die wir brauchen, um unsere Mining-Software – in diesem Fall CGMiner – selbst zu kompilieren.
sudo apt install build-essential git autoconf automake libtool pkg-config libcurl4-openssl-dev libudev-dev libusb-1.0-0-dev -y
Keine Sorge, das sieht komplizierter aus, als es ist. Diese Pakete liefern im Grunde nur die Werkzeuge und Bibliotheken, damit CGMiner später mit dem USB-Miner sprechen und sich mit Mining-Pools verbinden kann.
Jetzt holen wir uns den Quellcode von CGMiner und kompilieren ihn. Das stellt sicher, dass wir eine Version bekommen, die perfekt auf die Architektur unseres Raspberry Pi zugeschnitten ist.
git clone https://github.com/kanoi/cgminer.git
cd cgminer
./autogen.sh
./configure –enable-gekko
make -j4
Der Parameter --enable-gekko ist speziell für die GekkoScience-Miner wichtig. Mit make -j4 nutzen wir alle vier Kerne des Pi 4, um den Prozess zu beschleunigen. Das Ganze kann trotzdem ein paar Minuten dauern, also holen Sie sich einen Kaffee.
Ein typisches Problem, auf das viele stoßen: Der USB-Miner wird nicht richtig erkannt. Das liegt meist an fehlenden Berechtigungen. Um das zu beheben, erstellen wir eine kleine Systemregel (eine sogenannte Udev-Regel).
sudo nano /etc/udev/rules.d/99-usb-miner.rules
Fügen Sie in diese leere Datei einfach die folgende Zeile ein:
SUBSYSTEM=="usb", ATTR{idVendor}=="0483", ATTR{idProduct}=="5740", MODE="0666"
Speichern, den Pi neu starten, und fertig. Jetzt ist Ihr Raspberry Pi bereit, mit dem Mining loszulegen.
Und noch ein letzter Ratschlag: Machen Sie regelmäßig Backups Ihrer SD-Karte. Nichts ist ärgerlicher, als nach stundenlanger Konfiguration wegen eines Kartenfehlers wieder bei null anfangen zu müssen. In unserem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie am besten Ihre SD-Karte sichern und wiederherstellen, um sich diesen Schmerz zu ersparen.
Solo-Lotterie oder Teamarbeit im Pool? Die richtige Strategie für dein Pi-Projekt
Dein Raspberry Pi ist startklar – jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Kämpfst du allein oder schließt du dich einem Team an? Die Wahl zwischen Solo- und Pool-Mining ist mehr als nur eine technische Einstellung. Sie entscheidet darüber, ob du für deine Mühe überhaupt jemals eine Belohnung siehst, selbst wenn sie noch so klein ist.
Beide Wege haben ihren Reiz, aber für ein kleines Setup wie unser Raspberry Pi Bitcoin-Mining-Experiment ist die Entscheidung eigentlich sonnenklar. Schauen wir uns die beiden Ansätze mal genauer an, damit du verstehst, warum.
Solo-Mining: Das Lottospiel um den Jackpot
Stell dir Solo-Mining wie einen Lottoschein vor. Du bist auf dich allein gestellt, und deine gesamte – zugegeben winzige – Rechenleistung konzentriert sich darauf, als Erster den nächsten Block in der Bitcoin-Blockchain zu finden. Sollte dir dieses Kunststück gelingen, gehört die gesamte Belohnung dir allein. Das sind aktuell 6,25 BTC plus alle Transaktionsgebühren in diesem Block.
Der Haken an der Sache? Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist verschwindend gering. Du trittst mit deinem kleinen USB-Miner gegen ein globales Netzwerk an, dessen kombinierte Rechenleistung gigantisch ist. Es ist ein klassischer David-gegen-Goliath-Kampf, bei dem Goliath fast immer gewinnt.
Solo-Mining ist der Traum vom großen Wurf. Es ist aufregend und die ultimative Bestätigung, wenn es klappt. Statistisch gesehen ist es für kleine Miner aber so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto – nicht unmöglich, aber extrem unwahrscheinlich.
Ein kleines Rechenbeispiel macht die Dimensionen klar: Mit einem 10-Watt-Bitcoin-Miner-HAT, der 450 GH/s schafft, liegt deine tägliche Chance, solo einen Block zu finden, bei etwa 1 zu 1,3 Milliarden. Gleichzeitig laufen die Stromkosten bei einem deutschen Strompreis von ca. 0,30 €/kWh auf 26,28 € pro Jahr hinaus.
Trotzdem gibt es immer wieder faszinierende Geschichten von Minern, die mit minimaler Leistung – manchmal nur 1,8 TH/s – auf Pools wie solo.ckpool.org tatsächlich Blöcke finden. Diese seltenen Erfolgsgeschichten halten die Faszination des „Bitcoin-Lottos“ am Leben. Mehr zu solchen spannenden Experimenten liest du zum Beispiel in dieser Diskussion im Mikrocontroller-Forum.
Pool-Mining: Gemeinsam sind wir stark
Pool-Mining geht genau den entgegengesetzten Weg. Statt alleine zu kämpfen, schließt du dich mit Tausenden anderen Minern weltweit in einem Mining-Pool zusammen. Alle Teilnehmer werfen ihre Rechenleistung in einen Topf und arbeiten gemeinsam daran, den nächsten Block zu knacken.
Die Chance, dass der Pool als Ganzes erfolgreich ist, ist dadurch natürlich unendlich viel höher. Sobald ein Block gefunden wird, teilt der Pool die Belohnung fair unter allen Mitgliedern auf. Dein Anteil bemisst sich daran, wie viel Rechenleistung du beigesteuert hast.
Deine Auszahlungen sind zwar nur winzige Bruchteile eines Bitcoins, dafür kommen sie aber regelmäßig und sind planbar.
- Der Vorteil: Du erhältst regelmäßige, berechenbare Einnahmen.
- Der Nachteil: Du bekommst nie die volle Blockbelohnung und zahlst eine kleine Gebühr an den Pool-Betreiber.
Für ein Raspberry Pi Setup ist das der einzig realistische Weg, um überhaupt aktiv am Mining teilzunehmen und greifbare Ergebnisse zu sehen.
So konfigurierst du deinen Miner für einen Pool
Die gute Nachricht ist: Die Einrichtung für einen Mining-Pool ist wirklich unkompliziert. Wir nehmen hier mal als Beispiel den bekannten und anfängerfreundlichen CKPool.
Zuerst brauchst du einen „Worker“. Das ist im Grunde nur ein Benutzername für deinen Miner, damit der Pool deine Arbeit zuordnen kann. Oft reicht dafür schon deine Bitcoin-Wallet-Adresse aus.
Der Befehl, um CGMiner mit dem Pool zu verbinden, sieht dann so aus:
./cgminer -o stratum+tcp://solo.ckpool.org:3333 -u YOUR_BITCOIN_ADDRESS -p x
Hier ersetzt du YOUR_BITCOIN_ADDRESS einfach durch eine deiner Empfangsadressen. Der -o Parameter gibt die Pool-Adresse an, -u ist dein Worker-Name (also die Wallet-Adresse) und -p steht für das Passwort, das bei vielen Pools einfach nur x ist.
Sobald du den Befehl startest, siehst du, wie dein kleiner Miner anfängt, „Shares“ (Anteile) zu finden und an den Pool zu senden. Das ist der handfeste Beweis, dass du erfolgreich zur gemeinsamen Anstrengung beiträgst. Für ein Raspberry-Pi-Setup ist das nicht nur der sinnvollste, sondern auch der motivierendste Weg.
Kosten, Sicherheit und Optimierung: Der Dauerbetrieb Ihres Miners

Okay, Ihr kleiner Miner läuft. Jetzt wird es ernst, denn wir müssen über die laufenden Kosten, die Sicherheit und die Stabilität sprechen. Genau diese Aspekte sind entscheidend, damit Ihr Projekt nicht zu einem teuren Hobby mit Sicherheitslücken oder ständigen Ausfällen wird.
Seien wir ehrlich: Finanziell reich werden Sie damit nicht. Das ist aber auch gar nicht das Ziel. Der wahre Lerneffekt liegt darin, das System so effizient, sicher und langlebig wie möglich zu machen. Hier beginnt die eigentliche Optimierungsarbeit.
Die wirtschaftliche Realität: Stromkosten vs. Einnahmen
Machen wir eine ganz simple Rechnung auf, um zu sehen, wohin die Reise finanziell geht. Nehmen wir an, Sie betreiben einen Raspberry Pi 4 zusammen mit einem GekkoScience COMPAC F USB-Miner – ein klassisches Einsteiger-Setup.
Dieses Gespann zieht etwa 7,5 Watt aus der Steckdose. Im 24/7-Betrieb summiert sich das über ein Jahr auf rund 65,7 Kilowattstunden (kWh).
Bei einem durchschnittlichen deutschen Strompreis von, sagen wir mal, 0,30 Euro pro kWh, landen Sie bei jährlichen Stromkosten von ca. 19,71 Euro.
Und was kommt rein? Der Miner schafft eine Hashrate von etwa 450 Gigahashes pro Sekunde (GH/s). Je nach Bitcoin-Kurs und Netzwerk-Schwierigkeit spuckt der Mining-Pool dafür vielleicht ein paar Euro im Jahr aus – wenn überhaupt.
Die Sache ist klar: Die Stromkosten fressen die mickrigen Einnahmen locker auf. Betrachten Sie die Ausgaben also als Lehrgeld und Investition in Ihr Wissen, nicht als Betriebskosten.
Absicherung Ihres Raspberry Pi Miners im Netzwerk
Jedes Gerät, das rund um die Uhr online ist, ist ein potenzielles Einfallstor. Auch wenn Ihr Mini-Miner für Hacker nicht das primäre Ziel ist, sollten die grundlegenden Sicherheitsvorkehrungen sitzen. Es geht ja auch um den Schutz Ihres gesamten Heimnetzwerks.
Die wichtigsten Schritte sind zum Glück die einfachsten.
Sicherheitstipps, die Sie sofort umsetzen sollten:
- Standardpasswort ändern: Das ist das A und O. Direkt nach der Installation des Betriebssystems muss das Passwort
raspberryweg. Öffnen Sie das Terminal und nutzen Sie den Befehlpasswd. - System aktuell halten: Führen Sie regelmäßig
sudo apt update && sudo apt upgrade -yaus. Damit schließen Sie bekannte Sicherheitslücken in der Software. - Firewall aktivieren: UFW (Uncomplicated Firewall) ist Ihr Freund. Installieren Sie es mit
sudo apt install ufwund geben Sie danach nur den SSH-Zugang frei (sudo ufw allow ssh). Das blockt schon mal einen Großteil der automatisierten Angriffe.
Mit diesen drei Maßnahmen haben Sie bereits eine solide Basis geschaffen, die Ihren Pi vor den häufigsten Gefahren aus dem Netz schützt.
Überwachung und Optimierung der Leistung
Ein Miner soll laufen, und zwar stabil. Die beiden Knackpunkte sind dabei die Temperatur und die reibungslose Funktion der Mining-Software. Dauerhafte Überhitzung ist der Tod für die Hardware, allen voran für den Raspberry Pi.
Die CPU-Temperatur können Sie jederzeit im Terminal mit dem Befehl vcgencmd measure_temp prüfen. Im Dauerbetrieb sollte der Pi idealerweise nicht konstant über 70°C liegen, auch wenn er erst bei 80–85°C anfängt, seine Leistung zu drosseln.
Die einfachste und günstigste Lösung gegen Hitzestau sind passive Kühlkörper. Das sind kleine Metallrippen, die man auf die Chips klebt – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Für ein paar Euro mehr gibt es auch Gehäuse, die selbst als massiver Kühlkörper dienen.
Typische Probleme aus der Praxis und ihre Lösungen
Selbst beim besten Setup kann mal was haken. Hier sind die zwei häufigsten Stolpersteine:
- CGMiner erkennt den USB-Miner nicht: Fast immer ein Berechtigungsproblem. Haben Sie die Udev-Regel, wie im vorherigen Kapitel erklärt, korrekt angelegt und das System danach neu gestartet? Das ist meistens die Ursache.
- Fehler beim Pool-Login: Meldet CGMiner Verbindungsfehler, prüfen Sie als Erstes die Pool-Adresse und Ihren Worker-Namen auf simple Tippfehler. Auch eine wackelige Internetverbindung kann hier der Übeltäter sein.
Ein kühles und gut abgesichertes System läuft einfach zuverlässiger und lässt Sie sich auf das konzentrieren, was wirklich Spaß macht: das Experimentieren und Lernen.
Die wichtigsten fragen und antworten auf den punkt gebracht
Wer sich mit dem Thema Bitcoin-Mining auf dem Raspberry Pi beschäftigt, dem brennen meist dieselben Fragen unter den Nägeln. Lassen Sie uns die häufigsten Unklarheiten direkt aus dem Weg räumen, damit Sie mit realistischen Erwartungen an Ihr Projekt herangehen.
Kann ich mit einem Raspberry Pi wirklich Bitcoins verdienen?
Um es kurz und ehrlich zu machen: Nein, auf keinen Fall. Mit der Rechenleistung eines Raspberry Pi lässt sich finanziell kein Blumentopf gewinnen. Selbst wenn man einen kleinen USB-ASIC-Miner anschließt, ist das Vorhaben rein wirtschaftlich betrachtet zum Scheitern verurteilt.
Die Stromkosten, so gering sie auch sein mögen, werden die winzigen Erträge aus einem Mining-Pool immer übersteigen. Sehen Sie das Ganze also sportlich: Es ist ein fantastisches Lernprojekt, um tief in die Technik hinter Bitcoin einzutauchen. Eine Geldanlage ist es aber definitiv nicht.
Welches Raspberry Pi Modell ist am besten geeignet?
Das kommt ganz darauf an, was genau Sie vorhaben. Jedes Modell hat seine Vorzüge.
Hier meine persönlichen Empfehlungen aus der Praxis:
- Für reines Mining mit USB-ASIC: Greifen Sie zum Raspberry Pi Zero 2 W. Er ist extrem sparsam im Stromverbrauch und damit die perfekte, schlanke Steuerzentrale für externe Miner.
- Für mehr Flexibilität: Ein Raspberry Pi 4 (mit 2 GB RAM) hat deutlich mehr Power unter der Haube. Er ist die richtige Wahl, wenn Sie später vielleicht parallel eine vollwertige Bitcoin Node aufsetzen oder andere Dienste laufen lassen möchten.
Egal für welches Modell Sie sich entscheiden, ein 64-Bit-Betriebssystem wie das Raspberry Pi OS Lite (64-bit) ist quasi Pflicht, um die beste Leistung und Kompatibilität sicherzustellen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Bitcoin Miner und einer Node?
Beide Begriffe schwirren oft im selben Kontext herum, beschreiben aber fundamental verschiedene Aufgaben im Bitcoin-Netzwerk. Diesen Unterschied muss man verstanden haben.
Eine Node sichert das Netzwerk, indem sie Regeln prüft und durchsetzt. Ein Miner versucht, durch pure Rechenleistung neue Blöcke zu finden. Ein Raspberry Pi kann beides, aber nur der Betrieb als Node ist für das Netzwerk wirklich nützlich und ressourcenschonend.
Stellen Sie sich eine Bitcoin Node als Buchprüfer vor. Sie hält eine vollständige Kopie der Blockchain, überprüft jede Transaktion und jeden Block auf Gültigkeit und sorgt so für Dezentralisierung und Sicherheit. Dafür bekommt sie keine direkte Belohnung. Ein Bitcoin Miner ist hingegen ein Rätsellöser. Er setzt Rechenleistung (Hashing) ein, um das kryptografische Puzzle des nächsten Blocks zu knacken. Wer es als Erster schafft, erhält die Belohnung: neu geschaffene Bitcoins und die Transaktionsgebühren.
Muss ich meinen Raspberry Pi aktiv kühlen?
Das hängt ganz von der CPU-Auslastung ab. Wenn der Pi nur als Steuergerät für einen USB-ASIC-Miner dient, der die eigentliche Schwerstarbeit leistet, langweilt sich der Prozessor des kleinen Rechners eher. Eine aktive Kühlung mit einem Lüfter ist dann meist überflüssig.
Trotzdem ist eine kleine Investition in passive Kühlkörper immer eine gute Idee. Diese aufgeklebten Metallrippen helfen dabei, die Wärme besser abzuleiten. Das sorgt nicht nur für einen stabileren Dauerbetrieb, sondern kann auch die Lebensdauer der Hardware verlängern, weil eine Drosselung durch Überhitzung (Throttling) vermieden wird.
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