Die Elliott-Wellen-Theorie ist im Kern ein Werkzeug, um die Psychologie der Masse im Chart sichtbar zu machen. Sie basiert auf einer faszinierenden Annahme: Kursbewegungen an den Finanzmärkten sind kein zufälliges Rauschen, sondern entfalten sich in wiederkehrenden, natürlichen Mustern. Diese Muster entstehen direkt aus dem ständigen Wechselbad der Gefühle – dem Optimismus und Pessimismus – der Anleger.
Was ist die Elliott Wellen Theorie eigentlich?

Stellen Sie sich den Markt weniger als eine seelenlose Maschine vor, sondern eher als ein riesiges, globales Gespräch. Millionen von Teilnehmern äußern mit jedem Kauf und Verkauf ihre Meinung – eine Wette auf die Zukunft. Die Elliott-Wellen-Theorie ist der Versuch, den Rhythmus und die Struktur dieses endlosen Gesprächs zu entschlüsseln.
Anstatt jeden Tick im Chart als isoliertes Ereignis zu sehen, bietet die Theorie eine Art Landkarte der Marktstimmung. Sie fußt auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Beobachtung: Menschliches Verhalten in Gruppen folgt Mustern. Und genau diese Muster spiegeln sich in den Kurscharts wider.
Das grundlegende 5-3-Muster als Fundament
Das Herzstück der gesamten Theorie ist ein fundamentales Muster, das aus insgesamt acht Wellen besteht. Dieses Muster bildet die DNA jeder Marktbewegung, ganz gleich, ob es sich um einen mehrjährigen Bitcoin-Bullenmarkt oder eine kurzfristige Korrektur handelt.
Die Struktur lässt sich in zwei klar definierte Phasen unterteilen:
- Die Impulsphase: Sie besteht aus fünf Wellen (nummeriert von 1 bis 5) und bewegt sich immer in Richtung des übergeordneten Trends. In einem starken Aufwärtstrend treiben beispielsweise die Wellen 1, 3 und 5 den Kurs aktiv nach oben.
- Die Korrekturphase: Sie folgt direkt auf die Impulsphase und besteht aus drei Wellen (benannt mit A, B, C). Diese Phase läuft dem Haupttrend entgegen und korrigiert einen Teil der vorherigen Bewegung.
Das Besondere an dieser 5-3-Struktur ist ihre fraktale Natur. Das bedeutet, das Muster wiederholt sich auf allen Zeitebenen – vom Minutenchart bis hin zum Monatschart. Eine große Impulswelle auf dem Wochenchart besteht ihrerseits wieder aus unzähligen kleineren 5-3-Mustern auf dem Tages- oder Stundenchart.
Die folgende Tabelle fasst die beiden Hauptphasen der Elliott-Wellen-Theorie zusammen, um Ihnen eine schnelle und klare Übersicht über die Grundstruktur zu geben.
Das grundlegende 5-3-wellenmuster auf einen blick
| Phase | Wellen | Richtung | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Impulsphase | 5 Wellen (1, 2, 3, 4, 5) | Mit dem Trend | Treibt den Markt in die Hauptrichtung. Wellen 1, 3 und 5 sind Impulswellen, während 2 und 4 kleinere Gegenbewegungen sind. |
| Korrekturphase | 3 Wellen (A, B, C) | Gegen den Trend | Korrigiert einen Teil der vorangegangenen Impulsbewegung. Sie signalisiert eine vorübergehende Pause oder Umkehr im Markt. |
Diese einfache, aber kraftvolle Struktur ist der Ausgangspunkt für jede Analyse mit der Elliott-Wellen-Theorie.
Ursprung in sorgfältiger Marktanalyse
Die Entdeckung dieser Muster war alles andere als ein Zufallsprodukt. Die Elliott-Wellen-Theorie wurde in den 1930er Jahren von Ralph Nelson Elliott entwickelt, einem akribischen Buchhalter und Berater. Er wühlte sich durch historische Kursdaten, die bis zu 75 Jahre zurückreichten, und erkannte dabei etwas Erstaunliches: Die Märkte bewegen sich in Zyklen, die zwar nie identisch sind, aber in ihrer Struktur eine klare Wiedererkennbarkeit aufweisen – ganz ähnlich wie Wellen im Ozean.
Elliott argumentierte, dass die kollektive Psychologie der Anleger – der ständige Tanz zwischen Gier und Angst – die treibende Kraft hinter diesen wiederkehrenden Chartmustern ist.
Die Theorie ist also weit mehr als nur technisches Linienzeichnen. Sie ist ein Versuch, die menschliche Natur im Kontext der Finanzmärkte greifbar zu machen. Für Trader, die eine fundierte Chartanalyse lernen (https://basedbitcoin.de/news/chart-analyse-lernen/) möchten, bietet sie einen strukturierten Rahmen. Sie hilft dabei, die aktuelle Position in einem größeren Marktzyklus zu bestimmen und dadurch fundiertere Handelsentscheidungen zu treffen.
Die Psychologie hinter jedem Marktimpuls verstehen
Warum sehen wir im Chart eigentlich Wellen? Ganz einfach: Weil Märkte nicht von kalten Algorithmen, sondern von Menschen mit all ihren Emotionen angetrieben werden. Die Elliott-Wellen-Theorie ist im Grunde nichts anderes als eine Visualisierung der kollektiven Marktpsychologie. Jede einzelne Kursbewegung, egal ob hoch oder runter, spiegelt die vorherrschende Stimmung von Millionen von Anlegern wider.
Stellen Sie sich einen neuen, aufregenden Trend vor. Das kann eine bahnbrechende Technologie sein oder eben ein Asset wie Bitcoin. Zu Beginn sind nur wenige Pioniere und gut informierte Experten dabei. Ihr vorsichtiger Optimismus schiebt den Kurs langsam nach oben. Genau das ist der psychologische Ursprung von Welle 1: eine leise, fundierte Hoffnung, die der breiten Masse noch völlig entgeht.
Die Stimmungsschwankungen in jeder Welle
Jede einzelne Phase des 5-3-Musters lässt sich direkt an eine dominante Marktstimmung koppeln. Es ist dieser ständige Tanz zwischen Optimismus und Pessimismus, der die charakteristische Form der Wellen überhaupt erst entstehen lässt.
Nach dem ersten Anstieg in Welle 1 kommt unweigerlich ein kleiner Dämpfer – die Welle 2. Hier nehmen die ersten Investoren ihre Gewinne mit, während Zweifler sich in ihrer Skepsis bestätigt fühlen. Eine kurze Phase der Unsicherheit macht sich breit: War der erste Funke schon alles? Doch genau hier wird der Grundstein für den explosivsten Teil des Trends gelegt.
Die Welle 3 ist der Moment, in dem die breite Öffentlichkeit Wind von der Sache bekommt. Plötzlich sind die Nachrichten voll davon, die anfängliche Skepsis kippt in Gier. Der Kurs explodiert, weil immer mehr Menschen aus Angst, den Zug zu verpassen (FOMO), in den Markt stürmen. Diese Welle ist oft die längste und dynamischste – die pure Verkörperung des kollektiven Kaufrauschs.
Darauf folgt mit Welle 4 eine Phase der Ermüdung. Der Trend scheint zu stocken, die Bewegungen werden unberechenbar und seitwärts gerichtet. Der Markt holt kurz Luft und sortiert sich neu, bevor die letzte Aufwärtsbewegung ansteht.
Schließlich wird die Welle 5 von purer Euphorie getragen. Die letzten Skeptiker werfen das Handtuch und kaufen oft nahe dem Höhepunkt, weil sie glauben, der Trend könne ewig so weitergehen. Die Stimmung ist am Gipfel, doch unter der Oberfläche verkaufen die „Smart Money“-Investoren bereits ihre Positionen an die euphorische Masse.
Chartmuster sind keine zufälligen Linien. Sie sind der pulsierende Rhythmus der kollektiven Gefühle von Millionen von Händlern. Sie zeigen die immer gleiche Abfolge von Hoffnung, Gier, Euphorie, Angst und schlussendlich Kapitulation.
Der emotionale Zyklus der Korrektur
Auf den Gipfel der Euphorie folgt die Ernüchterung. Auch die Korrektur wird von ganz bestimmten Emotionen angetrieben. Welle A ist der erste Schock – eine scharfe Abwärtsbewegung, die bei vielen Anlegern Angst und Unglauben auslöst. "Das kann nicht sein!", denken viele.
Danach kommt oft eine trügerische Erholung, die Welle B. Viele sehen sie als Bestätigung, dass der Aufwärtstrend doch noch intakt ist. Sie ist die klassische Bullenfalle, eine letzte Chance für Optimisten, falsch einzusteigen.
Am Ende bricht Welle C mit voller Wucht durch die vorherigen Tiefs. Diese Phase ist von Panik und Kapitulation geprägt. Wer am Hochpunkt gekauft hat, verkauft jetzt mit Verlust, um Schlimmeres zu verhindern. Und genau hier, am Tiefpunkt des Pessimismus, beginnt der gesamte Zyklus oft von Neuem. Die Elliott-Wellen-Theorie beruht auf der Idee, dass sich diese kollektiven Gefühlsschwankungen in vorhersagbaren Mustern niederschlagen. Mehr zu den theoretischen Grundlagen finden Sie auf der entsprechenden Wikipedia-Seite zu Elliott-Wellen.
Die Anatomie einer Trendbewegung entschlüsseln
Jeder große Trend, ob am Aktienmarkt oder bei Bitcoin, folgt einem inneren Rhythmus, einer Art Bauplan. Die Elliott-Wellen-Theorie gibt uns quasi die Lesebrille für diesen Bauplan an die Hand. Im Kern besteht jede primäre Trendbewegung aus fünf klar erkennbaren Phasen, den sogenannten Impulswellen, die wir mit den Zahlen 1 bis 5 durchzählen.
Diese fünf Wellen sind die eigentliche Antriebskraft, die den Markt in seine Hauptrichtung schiebt. Interessanterweise hat jede dieser Wellen eine eigene „Persönlichkeit“, die sich direkt aus der vorherrschenden Marktstimmung speist. Wenn man lernt, sie zu erkennen, kann man die Qualität und Reife eines Trends viel besser einschätzen.
Die fünf Phasen des Haupttrends
Stellen Sie sich den Beginn eines Bullenmarktes vor. Der fängt selten mit einem lauten Knall an, sondern meist eher mit einem leisen Flüstern.
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Welle 1 – Der erste Funke: Hier beginnt die neue Bewegung, oft direkt aus dem tiefsten Pessimismus der vorherigen Korrektur heraus. Nur eine Handvoll gut informierter Anleger wittert die Chance und fängt an zu kaufen. Die Bewegung wirkt oft noch unsicher und zögerlich, weil die breite Masse dem Frieden noch nicht traut.
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Welle 2 – Der Realitätscheck: Auf den ersten Vorstoß folgt unweigerlich ein Rücksetzer. Diese Welle schüttelt die „schwachen Hände“ aus dem Markt und testet die Entschlossenheit der frühen Käufer. Ganz wichtig: Sie darf niemals tiefer fallen als der Startpunkt von Welle 1, korrigiert aber oft einen erheblichen Teil des ersten Anstiegs. Psychologisch ist das der Moment, in dem die Zweifler sagen: „Ich wusste es, war doch nur eine Bärenmarktrallye.“
Nach diesem Realitätscheck betritt die kraftvollste Phase des gesamten Trends die Bühne.
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Welle 3 – Der unaufhaltsame Haupttrend: Das ist die Welle, auf die alle warten. Sie ist fast immer die längste und dynamischste der fünf Impulswellen. Hier springt die breite Öffentlichkeit auf den Zug auf, die Nachrichtenlage ist durchweg positiv und die Gier treibt die Kurse regelrecht nach oben. Fundamental scheint alles zu passen und der Trend fühlt sich unzerstörbar an.
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Welle 4 – Die zermürbende Atempause: Nach der explosiven Bewegung von Welle 3 muss der Markt erst einmal durchatmen. Welle 4 ist oft eine frustrierende, seitwärts laufende Korrektur. Sie ist unberechenbar und schwer zu handeln, weil die klare Richtung fehlt. Ihr Hauptzweck ist es, die Ungeduldigen mürbe zu machen, bevor der letzte Akt beginnt.
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Welle 5 – Das letzte Hurra: Angetrieben von purer Euphorie und der Angst, etwas zu verpassen (FOMO), schiebt diese Welle den Markt auf ein letztes Hoch. Die Dynamik ist hier aber oft schon spürbar schwächer als in Welle 3, was sich häufig in divergierenden Indikatoren zeigt. Das ist der Punkt, an dem die letzten Skeptiker kaufen, während erfahrene Anleger bereits anfangen, Kasse zu machen.
Die folgende Grafik fasst die Emotionen, die eine solche Trendbewegung prägen – von anfänglicher Hoffnung über Gier bis hin zur finalen Angst – perfekt zusammen.

Man sieht hier sehr schön, dass Chartmuster letztlich nichts anderes sind als ein Spiegelbild der kollektiven menschlichen Psyche.
Die drei unumstößlichen Regeln
Damit eine Zählung nach der Elliott-Wellen-Theorie überhaupt gültig ist, muss sie drei eherne Regeln erfüllen. Diese sind nicht verhandelbar. Wird auch nur eine davon gebrochen, ist die gesamte Analyse hinfällig und man muss von vorne anfangen.
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Regel 1 – Welle 2 darf niemals den Anfang von Welle 1 unterschreiten. Die Korrektur nach dem ersten Impuls darf niemals den kompletten Gewinn zunichtemachen. Fällt der Kurs unter den Startpunkt, war das kein Auftakt für einen neuen Trend. Punkt.
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Regel 2 – Welle 3 darf niemals die kürzeste Impulswelle sein. Welle 3 ist der Motor des Trends. Sie muss nicht zwingend die längste sein, aber sie darf auf keinen Fall kürzer ausfallen als Welle 1 und Welle 5. Meistens ist sie sogar die mit Abstand längste und stärkste.
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Regel 3 – Welle 4 darf nicht in das Preisgebiet von Welle 1 eindringen. Das bedeutet, das Tief von Welle 4 darf nicht unter das Hoch von Welle 1 fallen. Diese Regel ist entscheidend, um die Stärke und Integrität eines Impulses zu bestätigen.
Diese drei Regeln sind das Fundament. Sie sind der Filter, der eine saubere, regelkonforme Bewegung von zufälligem und unberechenbarem Kursrauschen trennt.
Im Kern beschreibt die Theorie also einen Zyklus aus acht Wellen. Die fünf Impulswellen (1–5) bilden die Hauptbewegung, angetrieben von Welle 3 als dynamischstem Teil. Aus der Praxis wissen wir, dass Welle 3 oft mindestens das 1,618-fache der Länge von Welle 1 erreicht, während Welle 4 im Schnitt 38–50 Prozent von Welle 3 korrigiert. Der Knackpunkt bleibt aber die strikte Trennung von Welle 1 und 4. Mehr zu den empirischen Hintergründen können Sie in dieser detaillierten Analyse nachlesen.
Behalten Sie diese Regeln im Hinterkopf. Sie sind Ihr wichtigstes Werkzeug, um die Qualität einer Analyse zu prüfen und typische Fehler zu vermeiden. Sie bringen ein gutes Stück Objektivität in eine ansonsten oft sehr subjektive Disziplin.
Wie man Korrekturmuster im Chart erkennt
Nach jeder kraftvollen Impulsbewegung braucht der Markt eine Verschnaufpause. Genau diese Korrekturphasen sind für viele Trader die schwierigsten Abschnitte. Die klare Richtung fehlt, die Kurse zucken unberechenbar hin und her – das reine Chaos, so scheint es. Doch die Elliott-Wellen-Theorie zeigt uns, dass selbst in diesem Durcheinander eine innere Logik steckt.
Man sollte Korrekturen nicht als Schwäche ansehen, sondern als notwendigen Teil eines gesunden Trends. Sie bauen überhitzten Optimismus ab und schaffen so das Fundament für die nächste starke Bewegung. Anstatt diese Phasen also zu fürchten, können wir lernen, ihre Sprache zu verstehen. Im Grunde gibt es drei große Familien von Korrekturmustern, die immer wieder auftauchen. Und jede von ihnen verrät uns etwas anderes über die Stärke des übergeordneten Trends.
Das scharfe Zig-Zag Muster
Das wohl häufigste und am einfachsten zu erkennende Korrekturmuster ist das Zig-Zag. Man kann es sich wie einen kurzen, heftigen Blitzschlag gegen den Haupttrend vorstellen. Es ist eine scharfe und schnelle Bewegung, die sich meist klar vom restlichen Chartverlauf abhebt.
Ein klassisches Zig-Zag besteht aus drei Wellen, die wir mit A, B und C beschriften. Entscheidend ist hier die innere Struktur: Das Muster folgt einem 5-3-5 Schema.
- Welle A: Legt mit fünf kleinen Impulswellen den ersten aggressiven Vorstoß gegen den Trend hin.
- Welle B: Ist eine schwache Erholung in drei Wellen, die nur einen Teil von Welle A zurückerobert.
- Welle C: Besteht wieder aus fünf Impulswellen und ist oft die längste und dynamischste Welle des ganzen Musters.
Was sagt uns ein Zig-Zag? Es signalisiert eine entschlossene, aber unkomplizierte Korrektur. Die Gegenseite (also die Verkäufer in einem Aufwärtstrend) übernimmt kurzzeitig das Ruder, aber der Markt ist nicht von tiefgreifender, langwieriger Unsicherheit geprägt.
Die seitwärts laufende Flat Korrektur
Die zweite große Familie sind die Flat-Korrekturen. Anders als das steile Zig-Zag bewegen sich Flats hauptsächlich seitwärts. Anstatt einer tiefen Preiskorrektur erleben wir hier eher eine Korrektur über die Zeitachse, in der der Markt einfach nur Luft holt für den nächsten Anlauf.
Ihre innere Struktur ist ein 3-3-5 Schema. Das bedeutet, dass sowohl Welle A als auch Welle B aus jeweils drei untergeordneten Wellen bestehen. Nur die abschließende Welle C zeigt eine Fünf-Wellen-Struktur.
Eine Flat-Korrektur ist oft ein Zeichen enormer Stärke im übergeordneten Trend. Der Kaufdruck ist so hoch, dass der Markt es nicht einmal schafft, nennenswert zu fallen. Er pendelt stattdessen seitwärts, bis der Haupttrend wieder durchstartet.
Es gibt zwar verschiedene Varianten (Regular, Expanded, Running), die sich in ihren genauen Endpunkten unterscheiden. Die Kernaussage bleibt aber dieselbe: Eine seitwärts laufende Konsolidierung nach einem starken Anstieg ist oft extrem bullisch und sollte auf keinen Fall als Schwäche interpretiert werden.
Das unentschlossene Triangle Muster
Die dritte und komplexeste Korrekturfamilie sind die Triangles (Dreiecke). Ein Triangle ist der Inbegriff von schwindender Volatilität und purer Unentschlossenheit im Markt. Bullen und Bären liefern sich einen zermürbenden Kampf, bei dem die Handelsspanne immer enger wird – bis es schließlich zu einem explosiven Ausbruch kommt.
Ein Triangle besteht aus fünf Wellen, die wir mit A, B, C, D und E bezeichnen. Jede einzelne dieser Wellen ist für sich genommen wieder eine korrektive Drei-Wellen-Struktur. Das gesamte Muster folgt also einem 3-3-3-3-3 Schema. Man kann es sich wie eine Feder vorstellen, die immer weiter zusammengedrückt wird – die Ruhe vor dem Sturm.
Triangles tauchen fast immer als Welle 4 in einem Impuls oder als Welle B in einer größeren Korrektur auf. Sie stellen die letzte Konsolidierungsphase dar, bevor die finale Bewegung des übergeordneten Musters einsetzt. Wenn Sie so ein Muster im Chart entdecken, können Sie sich sicher sein, dass eine heftige Bewegung unmittelbar bevorsteht. Es ist ein klares Signal, sich auf erhöhte Volatilität einzustellen und in unsicheren Seitwärtsphasen die Nerven zu bewahren.
Die Theorie auf reale Bitcoin-Charts anwenden

Theorie ist das eine, die Praxis in der chaotischen Welt der Finanzmärkte oft etwas ganz anderes. Jetzt schlagen wir die Brücke und wenden die Elliott-Wellen-Theorie direkt auf historische Bitcoin-Charts an. Statt uns an perfekten Lehrbuchbeispielen aufzuhalten, schauen wir uns echte Szenarien an – mit all ihren Unklarheiten und Fallstricken. So wird der Denkprozess hinter einer Wellenzählung greifbar.
Der ganze Vorgang fühlt sich an, als würde man ein Puzzle zusammensetzen. Die Regeln und Richtlinien geben den Rahmen vor, aber das Bild selbst muss man Stück für Stück entdecken. Das erfordert Geduld, eine gute Portion Flexibilität und vor allem die Bereitschaft, eine einmal getroffene Annahme auch wieder über Bord zu werfen, wenn neue Kursdaten das Gegenteil beweisen.
Den richtigen startpunkt für die zählung finden
Die erste und oft kniffligste Frage lautet: Wo fange ich überhaupt an zu zählen? Ein logischer Ausgangspunkt ist eigentlich immer ein markantes Tief oder Hoch im Chart – also genau der Moment, an dem ein alter Trend sichtbar endet und ein neuer beginnt.
Nehmen wir als praktisches Beispiel den Tiefpunkt des Bärenmarktes von 2018. Nach einem monatelangen Abwärtstrend hat Bitcoin Ende 2018 ein klares Tief ausgebildet, dem eine erste, kräftige Aufwärtsbewegung folgte. Dieser Punkt schreit förmlich danach, der Beginn einer neuen, übergeordneten Impulsbewegung zu sein – also der perfekte Kandidat für den Startpunkt unserer Welle 1. Von hier aus versuchen wir dann, die folgende Preisentwicklung in das bekannte 5-3-Muster einzuordnen.
Dieser erste Schritt ist absolut entscheidend. Wer hier falsch ansetzt, dessen Zählung wird früher oder später unweigerlich eine der Grundregeln verletzen.
Impuls von korrektur unterscheiden
Haben wir erst einmal einen Startpunkt, geht es darum, die „Persönlichkeit“ der Wellen zu deuten. Die wichtigste Unterscheidung, die man treffen muss, ist die zwischen Impuls- und Korrekturwellen. Impulswellen (1, 3, 5, A, C) sind stark, direkt und schieben den Preis mit viel Momentum in eine Richtung. Ihre innere Struktur ist immer fünfteilig.
Korrekturwellen (2, 4, B) wirken dagegen oft unruhig, fast schon chaotisch. Sie verlaufen meist seitwärts oder nur langsam gegen den Haupttrend. Ihre Struktur ist immer dreiteilig. Allein durch das genaue Beobachten der Kursdynamik bekommt man oft schon ein gutes Gefühl dafür, ob man es gerade mit einer treibenden Kraft oder einer zögerlichen Verschnaufpause zu tun hat.
Die Elliott-Wellen-Theorie ist keine exakte Wissenschaft, sondern eher eine Kunstform, die auf einem logischen Regelwerk aufbaut. Sie gibt uns eine Landkarte möglicher Routen, aber als Trader müssen wir die Landschaft selbst interpretieren.
Wer die Theorie auf reale Charts anwendet, merkt schnell: Die Wellen sehen selten so perfekt aus wie auf dem Reißbrett. Die Kunst besteht darin, durch das tägliche „Rauschen“ des Marktes hindurch das zugrunde liegende Muster zu erkennen.
Die drei kernregeln als leitplanken nutzen
Sobald wir eine vorläufige Zählung im Chart skizziert haben – zum Beispiel die Wellen 1 bis 3 identifiziert –, kommen die drei unumstößlichen Regeln ins Spiel. Sie sind unser wichtigstes Werkzeug, um die Zählung auf Herz und Nieren zu prüfen.
- Regel 1: Welle 2 korrigiert niemals mehr als 100 % von Welle 1. Fällt der Kurs also unter den Startpunkt von Welle 1, ist die Zählung sofort ungültig.
- Regel 2: Welle 3 ist niemals die kürzeste der drei Impulswellen (1, 3 und 5).
- Regel 3: Welle 4 darf nicht in das Preisgebiet von Welle 1 eindringen. Eine Überschneidung ist tabu.
Wenn wir uns den Bitcoin-Bullenmarkt von 2021 anschauen, haben genau diese Regeln vielen Analysten geholfen, eine robuste Struktur zu erkennen. Jede Zählung, die eine dieser Regeln verletzte, musste verworfen werden. Das bewahrte Trader vor teuren Fehlannahmen. Diese Regeln sind keine vagen Richtlinien, sondern das Fundament, das eine gültige Analyse von reiner Spekulation trennt.
Checkliste zur validierung einer wellenzählung
Um den Überblick zu behalten, ist eine kleine Checkliste Gold wert. Sie hilft dabei, die eigene Analyse systematisch zu überprüfen und häufige Fehler zu vermeiden.
| Regel / Richtlinie | Bedingung | Status (Ja/Nein) |
|---|---|---|
| Regel 1 | Liegt das Tief von Welle 2 über dem Start von Welle 1? | |
| Regel 2 | Ist Welle 3 NICHT die kürzeste Impulswelle (1, 3, 5)? | |
| Regel 3 | Überschneidet das Tief von Welle 4 NICHT das Hoch von Welle 1? | |
| Richtlinie: Alternation | Wechseln sich Welle 2 und 4 in ihrer Form ab (z. B. zackig vs. seitwärts)? | |
| Struktur Welle 1 | Ist die innere Struktur von Welle 1 (auf kleinerem Zeitrahmen) fünfteilig? | |
| Struktur Welle 2 | Ist die innere Struktur von Welle 2 (auf kleinerem Zeitrahmen) dreiteilig? |
Indem man diese Punkte konsequent abhakt, gewinnt die eigene Zählung an Stabilität und Verlässlichkeit.
Die fraktale natur in der praxis erkennen
Ein wirklich faszinierender Aspekt der Elliott-Wellen-Theorie ist ihre fraktale Natur. Das klingt kompliziert, bedeutet aber nur, dass sich die bekannten Muster auf allen Zeitebenen wiederholen. Eine riesige Welle 3 auf dem Wochenchart besteht bei genauerem Hinsehen auf dem Tageschart selbst wieder aus fünf kleineren Impulswellen. Und diese Welle 3 auf Tagesbasis? Die zerfällt auf dem 4-Stunden-Chart ebenfalls in ein Fünf-Wellen-Muster. Und so weiter.
Dieses Prinzip ist unglaublich nützlich. Wenn Sie auf einem hohen Zeitrahmen eine potenzielle Welle 3 vermuten, können Sie einfach eine Zeitebene tiefer zoomen und nach der bestätigenden Fünf-Wellen-Struktur suchen. Finden Sie diese, steigt die Wahrscheinlichkeit für die Korrektheit Ihrer übergeordneten Zählung enorm. Diese fraktale Analyse gibt zusätzliches Vertrauen, wie wir es zum Beispiel in unserer Analyse gesehen haben, als der Bitcoin-Preis um 30.000 in 30 Tagen stieg, was auf eine sehr starke Impulsbewegung hindeutete.
Umgang mit uneindeutigkeit und subjektivität
Man muss ehrlich sein: Die Wellenzählung ist und bleibt subjektiv. Zwei erfahrene Analysten können auf denselben Chart schauen und zu unterschiedlichen, aber dennoch regelkonformen Zählungen kommen. Manchmal ist die Struktur einfach nicht klar zu deuten.
In solchen Phasen ist es das Klügste, die Füße stillzuhalten und abzuwarten, bis der Markt mehr Klarheit schafft. Eine erzwungene Zählung ist fast immer eine falsche Zählung. Ein guter Elliott-Wellen-Analyst hat daher immer mindestens ein oder zwei Alternativszenarien in der Hinterhand. Wird die primäre Zählung durch die Kursentwicklung invalidiert, schaltet er sofort auf eine alternative Sichtweise um, ohne emotional an der alten Idee festzuklammern. Genau diese Flexibilität schützt vor blindem Vertrauen und großen Verlusten.
Die Grenzen und häufigsten Fehler der Theorie
Kein Werkzeug in der Marktanalyse ist ein Allheilmittel, und die Elliott-Wellen-Theorie ist da keine Ausnahme. Wer sie erfolgreich nutzen will, braucht eine gesunde Portion kritischer Distanz. Man muss die Schwächen ganz klar kennen, um die Stärken wirklich ausspielen zu können.
Die mit Abstand größte Hürde ist die eingebaute Subjektivität. Stellen Sie sich zwei erfahrene Analysten vor, die auf denselben Bitcoin-Chart blicken. Es ist nicht nur möglich, sondern an der Tagesordnung, dass beide zu völlig unterschiedlichen, aber dennoch regelkonformen Wellenzählungen kommen. Was der eine als abgeschlossene Welle 5 sieht, ist für den anderen vielleicht nur eine untergeordnete Welle 3 innerhalb einer viel größeren Bewegung.
Der Reiz der rückwirkenden Perfektion
Diese Vieldeutigkeit führt uns direkt zum häufigsten Denkfehler: dem sogenannten „Ret-Conning“ (retroactive continuity). Das ist unsere menschliche Neigung, eine Wellenzählung im Nachhinein so lange zu drehen und zu wenden, bis sie perfekt auf die vergangene Kursentwicklung passt. Rückblickend findet man fast immer ein makelloses 5-3-Muster.
Das Problem? Diese Art der Rückschau hat null prognostischen Wert. Sie wiegt uns in einer falschen Sicherheit und erzeugt die Illusion von Vorhersagbarkeit, wo in Wahrheit oft nur Unsicherheit herrschte. Echte Analyse passiert im Hier und Jetzt – mit allen Unwägbarkeiten und alternativen Szenarien.
Die Elliott-Wellen-Theorie ist keine Kristallkugel, die Ihnen den exakten Kursverlauf vorhersagt. Sehen Sie sie vielmehr als eine Art Landkarte, die Ihnen mögliche Routen aufzeigt, die der Markt nehmen könnte. Sie gibt dem Chaos eine Struktur und hebt Zonen mit hoher Wahrscheinlichkeit hervor.
Kein alleinstehendes Werkzeug
Sich blind auf die Wellenzählung zu verlassen, wäre fahrlässig. Die Elliott-Wellen-Theorie entfaltet ihre wahre Kraft erst dann, wenn man sie mit anderen Analysemethoden kombiniert. Sie gibt oft eine Ahnung vom „Was“ und „Wann“, aber nur selten vom „Warum“.
Eine solide Handelsentscheidung stützt sich daher auf mehrere Säulen. Ihre Wellenanalyse sollte immer durch weitere Indikatoren gegengeprüft werden:
- Volumenanalyse: Zeigt eine Impulswelle 3 wirklich das typisch ansteigende Handelsvolumen, das die Überzeugung im Markt widerspiegelt?
- Momentum-Indikatoren (z. B. RSI): Bildet sich am Ende einer potenziellen Welle 5 eine bärische Divergenz zwischen Preis und RSI? Das wäre ein klares Warnsignal für eine bevorstehende Erschöpfung.
- On-Chain-Daten (bei Bitcoin): Passen die Aktivitäten auf der Blockchain zu dem Szenario, das Ihr Chart andeutet?
- Fundamentale Faktoren: Gibt es Nachrichten oder makroökonomische Ereignisse, die Ihre technische Sichtweise stützen oder komplett über den Haufen werfen? Manchmal beendet ein externer Schock jede noch so saubere Wellenstruktur, wie unsere Berichte zeigen, wenn der Bitcoin-Kurs plötzlich fällt.
Wer verschiedene Werkzeuge klug miteinander verknüpft, reduziert die Abhängigkeit von der reinen Interpretation und trifft am Ende deutlich fundiertere Entscheidungen.
Antworten auf die brennendsten Fragen zur Elliott-Wellen-Theorie
Wer sich mit der Elliott-Wellen-Theorie in der Praxis beschäftigt, stößt schnell auf wiederkehrende Fragen. Hier habe ich die häufigsten Unklarheiten zusammengetragen, die Tradern und Anlegern bei der Analyse der Bitcoin-Charts immer wieder begegnen.
Kann ich mit Elliott-Wellen den Markt exakt vorhersagen?
Ein klares Nein – und das ist auch gut so. Die Theorie ist keine Kristallkugel für punktgenaue Kursziele und Zeitpunkte. Betrachten Sie sie vielmehr als eine Art Landkarte, die Ihnen die wahrscheinlichsten Routen für die zukünftige Marktentwicklung aufzeigt.
Es geht darum, die aktuelle Position im großen Ganzen zu verstehen. Sie hilft dabei, die aktuelle Marktphase im übergeordneten Zyklus zu erkennen und das Chance-Risiko-Verhältnis einer Position viel besser einzuschätzen.
Was tue ich, wenn es mehrere mögliche Wellenzählungen gibt?
Hier liegt eine der größten Hürden: die Subjektivität. Es ist völlig normal, dass für ein und denselben Chart mehrere Zählungen existieren, die alle den Regeln entsprechen. Ein erfahrener Analyst klebt deshalb nie an einer einzigen Wahrheit, sondern arbeitet immer mit einem Hauptszenario und ein, zwei Alternativen im Hinterkopf.
Mein Tipp: Fragen Sie sich immer, welche Zählung die aktuelle Kursbewegung am einfachsten und schlüssigsten erklärt. Wird Ihr favorisiertes Szenario durch neue Marktdaten widerlegt, wechseln Sie einfach zur nächstbesten Alternative.
Diese flexible Herangehensweise schützt Sie davor, sich in eine falsche Idee zu verrennen und macht Ihre Analyse deutlich robuster.
Funktioniert die Theorie auch für Daytrading?
Theoretisch ja, praktisch ist es extrem schwierig. Die fraktale Natur der Wellen bedeutet zwar, dass die Muster auf allen Zeitebenen existieren, doch im Daytrading wird die Analyse zur echten Herausforderung. Das Markt-„Rauschen“ auf den Minutencharts ist enorm, was saubere Muster fast unmöglich macht und die Fehlerquote in die Höhe treibt.
Die eigentliche Stärke der Elliott-Wellen-Theorie zeigt sich auf den höheren Zeitebenen – also im 4-Stunden-, Tages- oder gar Wochenchart. Hier sind die Strukturen viel klarer und die Signale entsprechend zuverlässiger. Damit ist sie vor allem ein Werkzeug für Swing- und Positionstrader, die mittel- bis langfristige Trends analysieren wollen.
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